_WAS UNSERE LESER(INNEN) MEINEN: ZUM THEMA ÄLTERWERDEN

Und nun etwas aus dem dem Leben unserer LeserInnen. Vera hat einige nach dem Älterwerden befragt und für Sie die Antworten zusammengestellt. Geantwortet haben, und dafür danken wir ihnen sehr herzlich, Barbara*, Paula,* Helmut, Micha und Brigitte.

>>Vera: Wir alle werden jeden Tag ein Stück älter und die Zeit, die vor uns liegt, wird weniger lang - auch wenn wir diese Tatsache oft verdrängen. Wann ist es Ihnen zum ersten Mal bewußt geworden, dass dies auch für Sie gilt? Gab es dazu einen konkreten Anlaß, den Sie beschreiben können?

>>Helmut: Diese Tatsache war mir schon als Kind (Jugendlicher) klar. Dazu bedurfte es keines besonderen Anlasses.

>>Barbara: Als bei mir ein Tumor entdeckt wurde und die Ärzte mir sagten, es könne Krebs sein. Plötzlich wurde mir klar, dass meine Lebenserwartung möglicherweise kürzer als bisher angenommen sein könnte. In den drei Tagen bis zur Operation stand am Anfang der Schock und zum Schluss die Erkenntnis, dass bei aller Lebensfreude und ungebrochenem Lebenswillen ich akzeptieren könnte, wenn es vorbei sein sollte.

>>Brigitte: Ja, in einem Seminar bekam jeder Teilnehmer ein Stück Maßband - ich glaube 85 cm lang - 1 cm für jedes Jahr - entsprechend unserer statistischen Lebenserwartung. Und jeder Teilnehmer sollte nun die schon "verlebten" Zentimeter abschneiden - ist ziemlich entgültig, so ein Schnitt! Dieses Bild des Maßbandes habe ich oft vor Augen. Mal wirkt es neutral - mal denke ich, na ja, dein Maßband wird auch kontinuierlich kürzer.

>>Paula: Dass vieles,was ich mir einmal gewünscht habe, nicht mehr verwirklicht werden kann, erfüllt mich eher mit Trauer oder Nichtgenügen, wenn ich z.B. an ein Kind denke oder an exotische Reisen. Dabei steht nicht nur die mangelnde Zeit im Vordergrund, sondern auch auch die schwindende Kraft.

>>Vera: Älterwerden bedeutet auch, dass nicht mehr alles zu verwirklichen sein wird, was man sich einmal gewünscht hat. Ist das für Sie eher eine bedrückende Erkenntnis oder verschafft diese Erkenntnis Erleichterung?

>>Paula: Dass die Welt im Laufe der Zeit nicht mehr neu und überraschend ist, empfinde ich eher als beruhigend; es läßt die mir eigene Angst kleiner werden.

>>Micha: Weder noch. Denn man kann in einem Menschenleben nicht alles verwirklichen, was man sich wünscht. Vielleicht hängt diese Einstellung von mir entscheidend davon ab, dass ich nun mal im Osten Deutschlands groß geworden bin und wir dort halt mit dem leben mussten, was wir hatten. Da lernt man Bescheidenheit. Und ich stamme nicht gerade aus reichen Verhältnissen. Aber meine Eltern haben mir als Kind immer das gegeben, was am Wichtigsten für's Großwerden ist ... Liebe und Verständnis.

>>Vera: Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist nicht mehr alles so neu und überraschend. Macht es das Leben für Sie eintöniger? Ist es manchmal schwer, sich den Optimismus früherer Tage zu bewahren oder ist das für Sie kein Thema?

>>Barbara: Ich glaube, dass das Leben nach wie vor Überraschungen birgt, weil es immer noch Dinge geben wird, die man bis dahin nicht kennen gelernt hat. Wichtig ist, dass man offen für unbekannte Themen, neue Entwicklungen und fremde Menschen bleibt. Dabei habe ich nicht unbedingt den Optimismus früherer Tage bewahrt, denn der beinhaltete auch eine Portion Naivität, die mit zunehmendem Alter einer realistischeren Einstellung gewichen ist.

>>Brigitte: Die Routine macht das Leben eintöniger, das stimmt. Mir persönlich unangenehmer ist die Tatsache, daß ich jetzt weniger aus diesen vor allem persönlichen Routinen (Haushalt, Ordnung) weglaufen kann -als ich das früher den Eindruck hatte (zumindest in der Rückschau). Ob ich in den früheren Tagen mehr Optimismus hatte - bin ich mir nicht sicher.

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