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München,
eine auf Krimis spezialisierte Buchhandlung. Meine erste Dichterlesung!
Dichter! Lesung! Erste!
Kurzkrimis.
Ich soll den letzten Text vortragen. Auch gut - entweder zuerst
oder zuletzt. Ein strahlender Septembertag, ein Tag wie ein Messer,
stahlblau der Himmel, weiß die bayerischen Wolken, ein Messer,
das Buchseiten aufschlitzt.
Vorneweg
ein Weizen im Biergarten: Hopfen und Malz, Gott erhalts!
Vor dem Eingang knüllen sich Menschen. Und ich hatte die
Verlegerin telefonisch & prophylaktisch vorgewarnt, dass kein
Mensch Geschichten von Unbekannten hören wollen würde.
Meine Tochter vorsorglich bei einem angejahrten Münchner
Onkel in Pflege gegeben, damit ihr die Schmach einer erfolglosen
Mutter erspart bliebe.
Die
MitautorInnen wirken, als hätten sie zu viele Semmelknödel
gegessen - gekrümmte Haltung, gepreßte Stimme, umwölkte
Miene. Natürlich sind wir alle aufgeregt. Die Verlegerin
verspricht sich, als sie die Herausgeberin vorstellt, die Herausgeberin
verdreht die Augen, die erste Autorin liest, das Publikum schweigt,
die zweite liest; drei fesche Männer, die den Alterdurchschnitt
erheblich gesenkt hatten, verlassen den Raum. Eine Vielzahl von
Augenpaaren streichelt die angekündigten Sektflaschen, die
Buchhändlerinnen wirken neutral, die Verfasserin fühlt
Kropoek-Knistern im Gaumen. Lesung! Die erste! Die
letzte!
Das
allerletzte!
Schwankend zum Vortragsstuhl. Schon nach einigen Sätzen Gelächter.
Die Vorleserin fragt sich, ob hinter ihrem Platz ein Wolperdinger
auf den Buchregalen sein Unwesen treibt. Mehr Gelächter.
Gewiß, die Geschichte sollte humorig sein ... aber doch
nicht so, doch nicht jetzt - während ... der Lesung! Die
Verfasserin blickt streng über den Brillenrand ins Rund.
Wer wagt es, nocheinmal zu unterbrechen?
Während die Dichterin dichtet!
Kichern,
Seufzen, lautes Lachen. Derbes, bayerisches. Spitzes, weibliches.
Die Verfasserin muß jetzt selber grinsen. Ihr eignes Lachen
schlucken. Das geht aber nun wirklich nicht. Mit Müh &
Not knödelt sie die Geschichte unter allgemeinem Gelächter
zu Ende.
Sekt und hinaus in die frische Luft!
München
ist schön, die Nacht ist lau. Freundliche Fragen aus dem
Publikum. Mit zitternder Hand wird signiert. Zu dumm, dass man
das Pseudonym noch nie geübt hat!
Nach Hause mit der U-Bahn.
Der
Onkel wirkt angestrengt. Die Tochter schnarcht leise durch die
Nase.
Alles ist friedlich.
Am
Nachthimmel zwinkern Sterne, die es vorher noch nicht gegeben
hat.
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die letzte Lesung
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