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"Nie zuvor
hatte ich solche Farben gesehen: tiefes Blaugrün in
den Pools, die sich zwischen den Findlingen aufgefüllt
hatten, weiße Gischt an den Stromschnellen, die sich
an Engstellen bildeten, in denen das Gebirgswasser wie durch
Düsen schoß. Hellgrünes Wasser in den Rinnsalen,
die sich seitwärts abzweigten, um sich wenig später
wieder dem Hauptstrom zuzugesellen, sattes Schwarz in den
Toteislöchern, in denen - wie ich mir romantischerweise
vorstellte - fossiles Wasser stand, Lagunenblau in den flachen
Badepfützen, die von kleinen Kieseln umsäumt,
überall Badende angelockt hatten. Darüber die
stahlblaue Farbe des Himmels, die grauen Gipfel, auf denen
hin und wieder ein Rest von altem Schnee blitzte, weiße
Wölkchen, das satte Grün der Wiesen.
Ich geriet ins Schwärmen.
Theo blieb
stumm.
Er rutschte gelegentlich auf seinen glatten Ledersohlen
und mußte sich auf den Weg konzentrieren. Er war absolut
unsportlich, aber etwas anderes hatte ich auch gar nicht
erwartet. Archivare müsssen nun wirklich keine Athleten
sein.
Die Gruppen von Badenden sahen aus wie absichtlich hingelegt.
Die glatten braunen Körper korrespondierten wirkungsvoll
mit den Nilpferdrücken der Flußkiesel. Die bunten
Farben der Stoffe der Bikinis und Badehosen leuchteten.
Die Menschenkörper wirkten wie fröhliche Wasserschlangen,
die aus ihren Löchern gekrochen waren, um sich der
Hitze der Sonne hinzugeben. Hin und wieder glitt ein Leib
ins Wasser, wie auf ein unhörbares Stichwort hin, das
ein großer Regisseur auf der Brücke gegeben hatte."
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