"Das Kleine Zafernerhaus liegt direkt neben dem Bauernhaus, in dem der junge Bauer mit seiner Familie und seinen Eltern wohnt. Man hat sich einen stattlichen Hof erarbeitet und das alte Haus für Pensionsgäste gerichtet; üblicher bäuerlicher Nebenerwerb im Allgäu.
Sofort, als ich das Kleine Zafernerhaus betrete, spüre ich die Anwesenheit der Kinder. Es schreibt sich leicht dahin, aber es wäre schwer, es Ihnen von Angesicht zu Angesicht zu sagen, wenn Sie wissen, was ich meine.
Aber es ist so. Ich rieche die Kinder, ich atme ihre Anwesenheit, ich fühle ihre Nähe. Es entsteht eine winzige Pause im Leben. Die Zeit steht still, so sagt man. Einen Wimpernschlag lang spürt man, daß etwas kommt und daß etwas verschwindet. Etwas geschieht: Eine Schnittstelle tut sich auf, eine Begegnung. Wie Jets, deren Bahnen sich kreuzen. Den Bruchteil einer Sekunde sind sie deckungsgleich, dann ziehen sie ihre Spur weiter, verschwinden im Fernen. Das Kreuz der Kondensstreifen sieht man noch lange, dann verschwinden auch diese.
Frau Zaferner steht, müde vom Melken, in der Tür und schweigt. Nicht freundlich, nicht unfreundlich.
Sie bedeutet mir mit einer Handbewegung, daß ich hineingehen kann in die Zimmer. Sie wird in der Tür stehenbleiben, das fühle ich und bin froh darum. "